Frauenhearing Aschaffenburg

Wir sind ein Netzwerk von frauenpolitisch engagierten Frauen aus Parteien, Verbänden, Gewerkschaften, Vereinen und einzelnen Frauen. Das Frauenhearing Aschaffenburg setzt sich seit über 30 Jahren für Fraueninteressen und die Verwirklichung der Gleichstellung ein.

 

Wir arbeiten unabhängig von Parteipolitik, überkonfessionell, zielorientiert und demokratisch.

 

Unser Anliegen ist es, das Bewusstsein für geschlechtsbedingte Benachteiligungen zu schärfen und Frauendiskriminierung entgegenzuwirken. Wir beteiligen uns mit Öffentlichkeitsarbeit am frauenpolitischen Geschehen und richten Veranstaltungen aus. Unser Ziel ist eine geschlechtergerechte Gesellschaft.

 

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  • Equal Care Day: Samstag, 29.02.2020
  • Internationaler Frauentag: Sonntag, 08.03.2020
  • Equal Pay Day: Dienstag, 17.03.2020

Internationaler Frauentag 2019

2019 wird das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt und damit auch Art. 3, Abs. 2 "Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Diese Formulierung war seinerzeit im parlamentarischen Rat heftig umstritten und wurde gar abgelehnt.

 

Das Frauenhearing, die Gleichstellungsstelle der Stadt und die VHS Aschaffenburg luden zur Filmvorführung Sternstunde ihres Lebens ein und hatten volles Haus im großen Saal der VHS! Vielen Dank an alle Aschaffenburgerinnen und Aschaffenburger für Ihren Besuch und die spannende Diskussion im Anschluss!

Von links nach rechts: Dr. Hiltrud Höreth, Christa Chevalier, Dr. Juliane Kerzel-Kohn

Pressemitteilung des Frauenhearings vom März 2019

Sternstunde am Internationalen Frauentag

 

Frauenhearing erinnert an 70 Jahre Gleichstellungsparagrafen im Grundgesetz

 

Das Frauenhearing Aschaffenburg lud in Kooperation mit der VHS und der Gleichstellungsstelle der Stadt Aschaffenburg am Internationalen Frauentag zur Filmvorführung Sternstunde ihres Lebens in die VHS ein. 2019 wird das Grundgesetz 70 Jahre alt und damit auch Artikel 3, Abs. 2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt". Der Film schildert den Kampf der Abgeordneten Dr. Elisabeth Selbert gegen alle Widerstände und schließlich die Aufnahme des Gleichstellungsparagrafen in das Grundgesetz. Die erfolgreiche Abstimmung und Verkündigung bezeichnete Selbert später als die Sternstunde ihres Lebens.

 

Die Kasseler Juristin war eine überaus starke, politische Frau. Sie sah sich nicht als Frauenrechtlerin, war aber  Expertin für frauendiskriminierende Fallstricke der Rechtsetzung und deren Folgen.  Sie beklagte immer wieder, dass Frauen in den Parlamenten unterrepräsentiert sind: "In die Parlamente müssen die Frauen! Dort müssen sie durchsetzen, was ihnen zusteht!"

Die an den Film anschließende Diskussion im voll besetzten Saal der VHS beschäftigte sich mit der Frage, wo wir heute stehen und was noch geschehen muss, damit Frauen und Männer wirklich  gleichberechtigt sind. Die Berufs- und Karrierewege von Frauen werden durch traditionelle Strukturen beeinflusst, v.a. durch die Übernahme unbezahlter Care-Arbeit. Die Männerdominanz in Gremien wird verstärkt durch lange Redezeiten; Frauen kommen Studien zufolge weniger zu Wort. Sie fühlen sich an den Rand gedrängt, nicht ernst und wahr genommen – einer der vielen Gründe, warum der Frauenanteil in der Politik nach wie vor gering ist.

 

Die unbereinigte Lohnlücke von 21% spiegelt nicht nur den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen, sondern auch strukturelle Rahmenbedingungen. Der Global Gender Gap Report 2018 setzt Deutschland auf Rang 14 bei der Umsetzung der Gleichberechtigung.

 

Die "gläserne Decke" und der von der schwedisch-deutschen AllBright Stiftung beschriebene Thomas-Kreislauf verhindern den Aufstieg von Frauen in Führungspositionen – nach dem Ähnlichkeitsprinzip werden eher Männer namens Thomas oder Michael befördert – Mann bleibt unter sich. Die Aschaffenburger*innen waren sich einig, dass auf vielen Ebenen genug zu tun bleibt und keine weiteren 70 Jahre vergehen sollten, bis Art. 3, Abs. 2 GG durchgesetzt ist.

 

Unser Dank für eine großartige Kooperation geht an Frau Dr. Kerzel-Kohn, Leiterin der VHS Aschaffenburg und Frau Dr. Höreth, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aschaffenburg.

Internationaler Frauentag 2018

Pressemitteilung des Frauenhearings vom März 2018

Das Frauenhearing Aschaffenburg lud anlässlich des internationalen Frauentags 2018 die Historikerin Nadja Bennewitz ein.

 

Heuer vor 100 Jahren war es soweit: Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges rief der Rat der Volksbeauftragten 1918 das allgemeine Wahlrecht für alle Frauen und Männer aus. Gerne hätten einige das Rad der Geschichte wieder zurückgedreht, doch hinter diesen Status quo gab es kein zurück.

Von links nach rechts: Christa Chevalier, Dr. Birgit Happel, Anita Peffgen-Dreikorn, Nadja Bennewitz, Renate Oehler, Tanja Drauth, Dr. Hiltrud Höreth, Petra Seipel

Die Veranstalterinnen eröffneten den Vortrag unter der Leitung von Renate Oehler mit Statements zur politischen Partizipation von Frauen heute, der wirtschaftlichen Situation von Frauen, zur häuslichen und sexualisierten Gewalt und den gegenwärtigen antifeministischen Stimmen. Die Aschaffenburger Gleichstellungsbeauftragte Dr. Hiltrud Höreth warf zunächst einen Blick zurück auf die politischen Gegebenheiten in den 1980er Jahren, als die kommunalen Gleichstellungsstellen in Bayern entstanden.

 

Nadja Bennewitz begrüßte es in ihrer Einführung, dass die Veranstaltung nicht als Jubelveranstaltung zur Errungenschaft des 100-jährigen Frauenstimmrechts konzipiert wurde, sondern über aktuelle Missstände aufklärt und weiterführende Fragen aufwirft. In ihrem Vortrag gab sie einen spannenden Einblick in die emanzipatorischen Prozesse des ausklingenden 19. Jahrhunderts und der Weimarer Zeit.

 

Die Historikerin leitete verschiedene feministische Strömungen her, die schließlich am 12. November 1918 in Deutschland, in Schweden im Jahr 1921, in Großbritannien 1928, in Spanien 1932 und in Frankreich 1944 zur Einführung des Frauenstimmrechts führten. Die Schweiz war das Schlusslicht der Bewegungen und öffnete erst im Jahr 1971 ihre Wahllokale für die weibliche Bevölkerung, in einigen Kantons sogar noch später.

 

Dass sich die Einführung des Frauenwahlrechts in den europäischen Staaten zu jeweils unterschiedlichen Zeitpunkten vollzog, hing stark mit gesellschaftlichen und politischen Strömungen zusammen. Den Anfang machte Finnland im Jahr 1906, es folgten Norwegen im Jahr 1913, Dänemark und Island im Jahr 1915. Die kaum entwickelten Klassengegensätze der skandinavischen Länder – allesamt homogene Gesellschaften – erleichterten es den Frauen, ihre Belange durchzusetzen. In weniger egalitären Ländern kamen bürgerliche Geschlechterrollen stärker zum Tragen und untermauerte eine strenge Dualität der Sphären Öffentlichkeit (den Männern vorbehalten) und Häuslichkeit/Privatheit (den Frauen zugeschrieben) die Grenzziehung der Geschlechter.

 

In Großbritannien schreckte die Suffragettenbewegung nicht vor gewalttätigen Auseinandersetzungen zurück. In Deutschland kam es zum Bruch der Frauenbewegung in zwei Lager: bürgerliche und proletarische Frauenbewegung kämpften separat. Das bürgerliche Lager spaltete sich weiter auf in einen radikalen und einen gemäßigten Flügel. Die Frauenrechtlerinnen machten auf unbefriedigende Zustände in der Gesellschaft aufmerksam und gründeten konspirativ Vereine. Per Gesetz und unter Androhung von Strafe war ihnen jegliche Mitarbeit in Parteien und politischen Vereinen untersagt.

Dennoch wurde im Jahr 1911 der erste Frauentag begangen, und Tagungen, Demonstrationen und Kundgebungen einberufen. Das Recht auf eine gleichberechtigte Mitsprache am politischen Leben hatte sich die bürgerliche und proletarische Frauenbewegung hart erkämpft, wenn auch mit unterschiedlichen Mitteln. Die Auseinandersetzungen besitzen bis heute erstaunliche Aktualität. Die gemäßigten Frauenrechtlerinnen forderten zunächst nur eine Beteiligung der privilegierten Frauen am Drei-Klassen-Wahlrecht, dem „Damenwahlrecht“, wie es die proletarische Kämpferin Clara Zetkin bissig nannte. Der radikale Frauenstimmrechtsverein wirkte beunruhigend auf die männliche Öffentlichkeit, in der Presse war von „hysterischen Weibern“ die Rede.


Das gute Ergebnis bei der ersten Wahl, bei der 41 Parlamentarierinnen in die Nationalversammlung einzogen, täuscht darüber hinweg, dass sich hierunter nur Frauen des gemäßigten und konservativen Flügels fanden, die nicht oder erst sehr spät das Frauenwahlrecht gefordert hatten. Sie hatten jedoch von den radikalen Kämpfen profitiert.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde herrschte Einigkeit darüber, dass die frauen- und gleichstellungspolitischen Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte keineswegs selbstverständlich waren und die Frauen hart dafür kämpfen mussten. Es wurde deutlich, dass die Forderungen an die Politik wie Entgeltgleichheit, Aufwertung von sogenannten Frauenberufen oder Familiensplitting auch weiterhin mit Nachdruck gestellt werden müssen. Darüber hinaus benötigen Frauen Freiräume und entsprechende strukturelle Bedingungen für eine politische und gesellschaftliche Partizipation.

Internationaler Frauentag 2017

Renate Schmidt

Anlässlich des Internationalen Frauentags lud das Frauenhearing die ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags und Bundesministerin a.D. Renate Schmidt zu einer Lesung ein. Sie stellte das gemeinsam mit der Frauenfinanzdienstleisterin Helma Sick veröffentlichte Buch Ein Mann ist keine Altersvorsorge.

 

Renate Schmitt analysierte im MiZ (Miteinander im Zentrum) glasklar: Eine Hinzuverdienerehe kostet die Gesellschaft im Laufe eines Arbeitslebens eine halbe Million Euro - mit Studium, Ehegattensplitting und der beitragsfreien Krankenversicherung für die nicht berufstätige Partnerin. Die im Main-Echo veröffentlichte Pressemitteilung finden Sie hier.

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