17.03.2020

Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT

© BPW Germany | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Wertsache Arbeit

Welche Arbeit ist es wert, gesehen zu werden? Equal Pay Day 2019

Mein Equal Pay Day Blogartikel wurde dieses Jahr nicht pünktlich fertig. Es fing schon damit an, erst spät zu realisieren, dass die EPD-Journale nicht angekommen waren. Ein kurzer Anruf beim Kampagnenteam hatte zum Glück genügt, um sie noch rechtzeitig vor der Aktionswoche und meinen Veranstaltungen zu erhalten.

 

Doch zuvor verschwammen Zeit und Raum angesichts eines Trauerfalls. Zum Innehalten bleibt kaum Zeit. Alle müssen immer weiter funktionieren, auf der Arbeit, in der Selbstständigkeit, im Schulsystem. Als wir uns dazu entschlossen, eine Familie zu gründen, hatte jeder von uns seine eigenen Bilder im Kopf. Nie hätte ich geglaubt, mein Leben fortan zwischen Tür und Angel zu verbringen. In meiner Arbeit mit Frauen höre ich sehr oft den Satz: Es ist gerade alles etwas viel.

 

Das Motto des zwölften Equal Pay Days in Deutschland lautet Wertsache Arbeit. Wie definieren und bewerten wir Arbeit heute? Welche Art von Arbeit ist uns wie viel wert? Und vor allem, welche Arbeit ist es wert, gesehen zu werden? In einer nahezu vollständig ökonomisierten Gesellschaft wird alles in monetären Einheiten bemessen. Außer die unbezahlte Haus- und Sorgearbeit – von der Frauen rund zwei Drittel übernehmen, wie das Frauenreferat der Stadt Frankfurt herausstellt und in seinen Kampagnen immer wieder verdeutlicht.

Fotos: Frauenreferat Stadt Frankfurt

Haben Sie sich schon einmal die Mühe gemacht, Ihre hier geleisteten Stunden in Euro und Cent auszurechnen? Sie werden erstaunt sein, auf welche Beträge Sie kommen! Vor allem, welches ökonomische Machtgefälle zwischen Partner*innen dabei zu Tage tritt und (meist) zulasten der Frauen perpetuiert wird. Das Geld der Frauen ist mit ihren beruflichen Entwicklungswegen verknüpft. Diese geraten immer dann ins Stocken, wenn andere Themen im Leben wichtig werden.

 

Ehen gehen in die Brüche, Menschen erleiden Krankheiten, Kinder kommen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Welt. Kritische Lebensereignisse sind nicht nur eine statistische und soziologische Größe, sondern es braucht Zeit und Raum, um sie ins Leben zu integrieren. Die Eltern der Babyboomer, vorwiegend Kriegskinder, sind zunehmend auf Hilfe angewiesen. Nicht alle haben Kinder, aber alle haben Eltern – das Thema Pflege wird nicht an Aktualität verlieren. Sorgearbeit nimmt Zeit in Anspruch. Zeit, die nicht uneingeschränkt für berufliches Engagement zur Verfügung steht.

 

Es gibt übrigens auch den Begriff der Trauerarbeit. Das Abschiednehmen funktioniert nicht nach Schema F, sondern ist ein Prozess, der Zeit erfordert. Die einen brauchen einen längeren Schonraum, andere gehen schneller zur Tagesordnung über. Die Frage ist nur, wieviel Zeit lässt das moderne Leben für solche Auszeiten? Und generell für die biografische Arbeit? Wie viel ist die Arbeit von Frauen und Männern wert, wenn sie oder ihre Familien mal nicht funktionieren? Die Komplexität heutiger Familienstrukturen macht eben auch Zeit zu einem äußerst wertvollen Gut.

Keine Zeit für Reflexion?

Seit unsere Kinder auf der Welt waren, hatten wir stets Pflege und Erziehung gleichzeitig. Als sich die Rollen verkehrten und die Eltern zunehmend auf unsere Hilfe angewiesen waren, schlich sich die Verantwortung erst unbemerkt ein: hier ein Fahrdienst, dort eine Begleitung zum Arzt. Später übernahm ich die gesetzliche Betreuung und umfassende Fürsorge.

 

Sicher ist unsere Familie eine statistische Ausnahme, doch wer aufmerksam durchs Leben geht, sieht zuhauf vielfältige Abweichungen vom sogenannten Standard-Lebenslauf und kann Einblick in die Zumutungen des Lebens nehmen. Wie stark diese den Einzelnen treffen, hängt auch von den persönlichen Ressourcen ab. Mit zwei Präsenzjobs hätten wir diese Zeit niemals meistern können. Unser Schlüssel lag in meiner Freiberuflichkeit, die mir viele Freiheiten ermöglichte. Und doch ihren Preis forderte, denn Sorge-Arbeit wird im sozialen Sicherungssystem, das auf einer durchgängigen Vollzeitbeschäftigung fußt, unterbewertet.

 

Wussten Sie, dass die Erziehungs-Arbeit pro Kind zur Zeit rund 99 Euro Rente pro Monat wert ist? Selbst eine Frau mit vier Kindern wird durch ihre Erziehungszeiten nach heutigem Stand im Rentenalter gerade einmal die Hälfte der Grundsicherung erreichen. Sie kann dann von Glück sprechen, wenn sie nicht in der Teilzeit- oder gar Minijobfalle gestrandet ist. Eine aktuelle Arbeitsmarktstatistik weist verheerende Zahlen aus: "Tatsächlich sind unter den 7,7 Millionen atypisch Beschäftigten (maximal 20 Wochenstunden, Minijobber, Zeitarbeiter, befristet Beschäftigte) in Deutschland derzeit 68,8 Prozent Frauen" (Handelsblatt 27.03.2019).

Eigentlich ist längst alles erforscht und gesagt?

Seit Jahren die gleichen ernüchternden Zahlen: Gender Pay Gap, Care Gap, Wealth Gap, Pension Gap. Die Zusammenhänge sind längst erforscht. Und „Nein, der Gender-Pay-Gap ist kein Mythos“, wie Marcel Fratzscher, der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung für die Zeit-Online treffend titelte. Dies vor allem in Replik auf eine Schlagzeile der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, nach der die Gründe für die Gehaltsunterschiede im Privatleben und nicht in der Diskriminierung am Arbeitsplatz lägen.

 

Genau aufgrund solcher Denkmuster müssen wir am Ball bleiben! Insbesondere, um die Mechanismen struktureller Diskriminierung aufzudecken und Einfluss auf strukturelle Rahmenbedingungen zu nehmen. Um uns weiter zu vernetzen und politisch zu engagieren. Und nicht zuletzt, um die Debatte über den Wert der Arbeit weiterzuführen. Die unbezahlte Sorgearbeit ist eine tragende Säule unserer Gesellschaft. Darauf weisen weitsichtige Bewegungen wie das Netzwerk Care Revolution, der Verein Wirtschaft ist Care, die längst über den Status von Bloggerinnen hinausgewachsenen Initiativen von Christine Finke alias Mama arbeitet und Claire Funke alias Mama streikt und viele andere unermüdlich hin.

 

Wie fair und menschlich sind Gesellschaft und Marktwirtschaft, wenn Frauen nach der Übernahme von Care-Arbeit nur schwer wieder einen Fuß in die Tür des Arbeitsmarktes bekommen? Wenn Sorgearbeit nicht viel zählt? Wenn Alleinerziehende ihre Arbeit bei einem Krankenhausaufenthalt fortsetzen, um einen wichtigen Auftraggeber nicht zu verlieren, wie Claire Funke dieser Tage vom Krankenbett twitterte? Wenn wenig Raum für Trauerarbeit bleibt? Aller Hochglanzbroschüren zum Trotz steht in Unternehmen und Behörden ein echter Kulturwandel aus. Hier trifft das alte Motto der Soziologin Elisabeth Beck-Gernsheim und ihres verstorbenen Mannes Ulrich Beck besonders gut zu: Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre. Im Gegenteil, nicht wenigen Frauen werden Steine in den Weg gelegt: mal hier eine gehaltliche Niedrigstufung, mal dort eine Versetzung in eine entfernte Geschäftsstelle. Die Geschichten weisen ein ähnliches Muster auf, die Ausschließungsmechanismen sind mehr oder weniger subtil, die Kränkungen nicht minder schmerzhaft.

 

Die Arbeitswelt und die Gesellschaft können nur gerechter werden, wenn wir die großen Zusammenhänge von Care und Wirtschaft mehr in den Blick nehmen, das Bewusstsein für Ungleichheiten schärfen, alte Denkstrukturen überwinden und neue Leitbilder entwerfen. Vor allem müssen Unternehmen und Politik die Stellschrauben so drehen, dass Frauen und Männer ihre Lebens- und Berufswege synchronisieren können. Die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats Mona Küppers fordert in einer Pressemitteilung zum Equal Pay Day „politische Maßnahmen, die eine partnerschaftliche Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit unterstützen, Männer in die Verantwortung nehmen und Frauen in ihrer Erwerbstätigkeit fördern. Dazu gehören öffentliche Zuschüsse für haushaltsnahe Dienstleistungen und ein Anspruch auf lebensphasenorientierte Arbeitszeiten.“

 

In meiner Arbeit setze ich mich für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen ein. Dabei rückte mein Fokus in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Strukturbedingungen und Politik.

„Das Geld der Frauen ist keine Privatsache, sondern politisch.“

Natürlich ist es existenziell, die eigenen Finanzen im Griff zu behalten. Es ist auch sehr hilfreich, Marktmechanismen zu verstehen und das Investieren zu lernen – gerade wenn es im Leben mal nicht so gut läuft, wirkt finanzielle Gesundheit wie ein Krisenentschärfer. Das Wissen über die Wechselwirkungen von Lebens-, Karriere- und Berufswegen ist aber für Frauen mindestens ebenso wichtig wie ihr Finanzwissen.

 

Auch im Jahr 2019 ist es notwendig, junge Frauen in ihren Vorstellungen des guten Lebens zu bestärken und sie für die Fallen zu sensibilisieren, die sich bei Eheschließung und Mutterschaft auftun. Die Soziologin Jutta Allmendinger hat es in einem Interview im Manager Magazin gerade wieder schön auf den Punkt gebracht: „Vor dreißig Jahren wie auch heute denken junge Frauen, sie schaffen das alles selbst. Eine Quote lehnen sie ab. Aber erst wann man älter ist und gesehen hat, wie das System funktioniert, ändert sich diese Einstellung.“

 

Also ran an die Strukturen, ans Mindset und ans Geld!

 

#wertsachearbeit #frauenmachtpolitik #wirtschaftistcare #frauen.geld.politik #geldundleben

Transparenz gewinnt

Die Lebenswirlichkeit von Frauen – Equal Pay Day 2018

Das neu in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz ist ein wichtiger Schritt zur geschlechtergerechten Entlohnung.

 

Die stukturellen Hintergründe des Gender Pay Gap und Gender Pension Gap sind jedoch weitaus umfassender und verdienen gleichsam einen aufmerksamen Blick. Dies ist eine gute Tradition innerhalb der Equal Pay Day Bewegung.

Foto: BPW Germany/ Sandra Weller

Mit einer Lohnlücke von 21 Prozent zählt Deutschland seit Jahren zu den traurigen Spitzenreitern der westlichen Welt. Bei den weiblichen Führungskräften ist Deutschland im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter (Führungskräfte-Monitor des DIW).

 

Es ist auch der Equal Pay Day Bewegung zu verdanken, dass die strukturellen Gründe dieser Ungleichheit und Unbeweglichkeit mehr und mehr öffentlich debattiert werden. Wie kann Transparenz – das Motto des EPD 2018 – den Frauen dabei helfen, zu mehr Gerechtigkeit und Gleichstellung in Gesellschaft, Familie und Beruf zu gelangen?

 

Um die Lücken des Gender Pay Gaps zu schließen, sollten wir nicht nur offen und transparent über Löhne und Gehälter sprechen, sondern auch darüber, welche vermögensrechtlichen Folgen eine Ehe oder Eingetragene Lebenspartnerschaft für Frauen mit sich bringt. Dies empfiehlt auch die Sachverständigenkommission im Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht.

 

Ist es jungen Frauen heute bewusst, dass allein die Eheschließung in eine strukturelle Sackgasse münden kann? Die unschönen Tickets heißen Ehegattensplitting und beitragsfreie Familienversicherung. Die Entscheidung für ein Kind stellt dem achten Familienbericht der Bundesregierung zufolge gar ein »biografisches Risiko« für Frauen dar (BMFSFJ 2012:22).

Wo bleiben hier Empörung und Wut?

Die Lebenswirklichkeiten und Finanzen der Frauen in den Blick zu nehmen, sollte ein eminent politisches Anliegen sein. Frauen sind überdurchschnittlich oft Teilzeit beschäftigt. Ein Drittel der erwerbstätigen Frauen kann aus ihrem eigenen Einkommen nicht einmal ihren unmittelbaren Bedarf decken. Alleinerziehenden droht der gesellschaftliche Abstieg. Gender Pay Gap und Gender Pension Gap gehen Hand in Hand.

 

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung zieht im WSI-Report Wer leistet unbezahlte Arbeit den richtigen Schluss: »Die Sphären Arbeitsmarkt und Haushalt müssen zusammengedacht und bezahlte und unbezahlte Arbeit im Zusammenhang thematisiert werden (WSI Nr. 35/2017:26). Nach Schätzungen der WELT ist die unbezahlte Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit in Deutschland rund eine Billion Euro wert.

 

All diese Zusammenhänge werden von drei exemplarisch ausgewählten Projekten bzw. Kampagnen angesprochen, die es wert sind, sie näher zu betrachten. Ich möchte Ihnen zunächst Valentina vorstellen.

Diese sympathische junge Frau macht sich ihre Gedanken:

 

  • Rechtzeitig
  • Ehrlich
  • Mutig
  • Weitsichtig

 

Die innovative Valentina Kampagne wurde vom bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes initiiert und wird vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration unterstützt.

 

Valentina spricht junge Frauen an und lässt dabei kaum ein Thema aus: Angefangen von Ehevertrag, eingetragenen Lebenspartnerschaften, Steuerklassenmodellen, finanziellen Auswirkungen unterbrochener Erwerbsbiografien, über Scheidungen, zweite Eheschließungen und finanzielle Ausgleiche für Kindererziehung finden sich auf dem Informationsportal der Kampagne umfangreiche Informationen. Die Begleitbroschüre des bayerischen Zukunftsministeriums Ehe und Partnerschaft rechtlich begleiten gibt einen Überblick über die finanziellen und rechtlichen Folgen der Eheschließung. Der Frauenbund sollte die Flyer der Valentina-Kampagne als Aufklärungsmaterial in allen Standesämtern auslegen.

 

Ebenfalls richtungsweisend ist das Projekt Was verdient die Frau? des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Fotos: DGB Was verdient die Frau?

Das Projekt nahm seine Arbeit im Herbst 2014 auf und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Es stellt die Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen in den Mittelpunkt und informiert über die Rahmenbedingungen weiblicher Lebens- und Erwerbsbiografien.

 

Insbesondere werden Entscheidungen an Lebensschwellen – wie der Einstieg in den Beruf nach der Ausbildungszeit und die Zeiten rund um die Familienphase thematisiert, um Übergänge nachhaltig zu gestalten. Das Projekt bietet Frauen ein sehr umfangreiches Informationsportal sowie die Plattform Dein Sprungbrett – Webinare und Beratung für junge Frauen. Dort finden Frauen etwa Input zur fairen Arbeitsteilung oder zur Gehaltsverhandlung und weiteren Karrierethemen. Außerdem unterstützt das Onlinequiz Die Generalprobe junge Frauen bei der Rollenfindung und zeigt finanzielle Fallstricke bestimmter Lebensentscheidungen auf. Das DGB Projekt Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit! ist in den sozialen Medien auf Facebook und auf Twitter vertreten und plant eine Präsenz auf Instagram und Youtube.
 

Auch das vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt entwickelte Armut verhindern Spiel pointiert die Wechselwirkungen zwischen Beruf, Karriere und Familie und dem Geld der Frauen.

Foto: Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Das Spiel nimmt strukturelle wie soziokulturelle Bedingungen ins Visier. Es wurde anlässlich der Jahres-Kampagne Armut ist eine Frau zur Sensibilisierung gegenüber strukturell bedingter Frauenarmut entwickelt. Das Frauenreferat sieht seine Aufgaben unter anderem darin, Mädchen und Frauen bei weichenstellenden Entscheidungen und der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen zu unterstützen und zu bestärken. Das Spiel steht als Download zur Verfügung und sollte Einzug in die politische Bildung der Schulen halten. Ein kurzes Video zum Spiel, das ich mit der Künstlerin Anna Poetter auf ihrer Pilgerreise des Geldes gespielt habe, finden Sie hier.

„Um über unsere Gesellschaft, Rollenerwartungen, gesetzliche Rahmenbedingungen und Unternehmenskulturen zu sprechen, engagieren sich Frauen alljährlich zum Equal Pay Day als Botschafterinnen und Impulsgeberinnen.“

Damit die tatsächlichen Lebenswirklichkeiten der Frauen mit ihren Potenzialen und persönlichen Wünschen Schritt halten. Dafür ist es überaus hilfreich, sich in gemeinsamen Netzwerken zusammenzuschließen. Nicht allein, um sich gegenseitig zu unterstützen und voranzubringen, sondern auch, um gemeinsam die politische Bedeutung des Privaten nach Außen zu tragen.

 

Liebe Frauen, mischt Euch ein!

Foto: BPW Germany Ansgar Bolle

Endlich partnerschaftlich durchstarten

10 Jahre Equal Pay Day in Deutschland! Ein Anlass zum Feiern? Equal Pay Day 2017

Auch wenn sich die Lohnlücke in der Bundesrepublik nicht wesentlich geschlossen hat, kann die Equal Pay Day Bewegung, die von den Business and Professional Women Germany ins Leben gerufen wurde, eine positive Bilanz ihrer Arbeit ziehen.

So sind die komplex verwobenen strukturellen Ursachen des ungleichen Verdienstes zwischen Frauen und Männern längst in der politischen Tagesordnung angekommen und wurden – auch von der Equal Pay Day Bewegung – ins öffentliche Bewusstsein gehoben.

 

Der soeben veröffentlichte zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (BMFSFJ 2017) zielt darauf ab, die Barrieren und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die Frauen und Männer an der Verwirklichung ihrer Lebensziele, ihrer Wünsche und ihrer Lebensentwürfe hindern.

 

10 Jahre Equal Pay Day zeigen, dass es nach wie vor die Frauen sind, die zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Abstriche in ihren Karrieren hinnehmen müssen, die trotz Beruf mehr Zeit im Haushalt verbringen, an denen die Hauptlast für Erziehung und Pflege hängt und die dann hinterher schauen müssen, dass der Gender Pension Gap sie nicht gnadenlos in die Altersarmut führt. Im zweiten Gleichstellungsbericht wird daher Erwerbs- und Sorgearbeit konsequent zusammen gedacht.

 

»Frauen und Männer benötigen Verwirklichungschancen dafür, ihren Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit zu verdienen, sich um Kinder, Pflegebedürftige, Nachbarschaft und Ehrenamt zu kümmern, Karriere in einem Unternehmen zu machen, sich selbstständig zu machen, sich gesellschaftlich zu engagieren und im Alter eigenständig finanziell abgesichert zu sein.« (BMFSFJ 2017: 18)

Finden Sie es unromantisch, über Geld zu sprechen?

Das diesjährige Motto des Equal Pay Day geht in die gleiche Richtung damit es nicht allein bei guten Absichten bleibt, wenn sich Nachwuchs ankündigt, sondern um eine gerechte Rollenverteilung gemeinsam in die Tat umzusetzen.

 

Manchen fällt es leichter, manchen schwerer, mit dem Partner, der Partnerin über Geld zu sprechen.

„Nicht nur bei Gehaltsverhandlungen ist eine positive Einstellung zu Geld eine wichtige Voraussetzung für gute Abschlüsse!“

Auch innerhalb der eigenen vier Wände ist Geld ein sehr wichtiges Thema, das frühzeitig angegangen werden sollte.

 

Um die "sorgebedingten" Auszeiten von Frauen so gut es geht zu kompensieren, kommt jede einzelne nicht darum herum, auch die finanzielle Lebensplanung innerhalb der Partnerschaft zu thematisieren.

 

Und gegebenfalls auch einen monetären Ausgleich für Care-Zeiten zu vereinbaren.

 

Am besten mit einem Ehevertrag, zumindest aber mit Blick auf die strukturellen Fallen, die sich in Deutschland immer noch auftun, wenn Frauen Kinder bekommen oder Verantwortung für Ältere übernehmen. Vor allem in ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten.

Was ist meine Arbeit wert?

Ein Blick auf die Strukturen: Equal Pay Day 2016

Die Kaskade der strukturellen Benachteiligung von Frauen erschöpft sich nicht im monatlichen Rentenanspruch für Mütter von derzeit rund 91 Euro je Kind.

„Auch bremsen nicht allein Klischees und Mythen Frauen auf ihren

beruflichen Wegen aus.“

© BPW Germany | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Vielmehr werden weitere Anstrengungen und Initiativen von Unternehmens- und Arbeitgeberseite vermisst, um zu einem echten Kulturwandel hin zu flexiblen Strukturen am Arbeitsmarkt zu gelangen. Dieser muss berufliche Auszeiten und Umwege zulassen, Diversität als Asset anerkennen und auch Vätern und Männern echte familienfreundliche Arbeitszeitarrangements ermögliche. Die skandinavischen Länder machen es vor.

 

Denn aller Rhetorik und Hochglanzbroschüren zum Trotz sind berufliche Karrieren in Deutschland noch immer an der Kontinuität des männlichen Standardlebenslaufs ausgerichtet.

 

Die Ungleichbehandlung von Frauen ist kein Problem, das jede Einzelne selbst in der Gesellschaft zu lösen hat, geschweige denn in den "eigenen vier Wänden" lösen könnte, sondern es geht dabei um grundsätzliche Fragen des guten Lebens, vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Care, d.h. dem Bereich des Sorgens und Sichkümmerns.

 

Und damit um die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

 

Während der Ausbau der Kinderbetreuung in den letzten Jahren stetig vorangetrieben und verbessert wurde, sind die Entlastungsangebote für pflegende Angehörige mehr als ausbaufähig, um zukunftsorientierte Karriereplanungen zu gewährleisten.

Berufliche Perspektiven im Blick behalten

Wer sich einmal an einem Werktag am Vormittag gegen 9 Uhr in einem medizinischen Versorgungszentrum umsieht, wird vor allem auf Frauen treffen, die als Töchter, Schwiegertöchter, Enkel- und Patenkinder oder Nichten pflegebedürftige Ältere zu ihren Arztterminen begleiten.

 

So ist es richtig und wichtig, dass in der Reform des Pflegegesetzes auch die Position der Pflegenden verbessert werden wird. Pflegende Angehörige haben oft eine Dreifachbelastung zu schultern und belasten ihre eigenen gesundheitlichen Ressourcen, um die Pflegesituation zu meistern. Es ist mehr als angemessen, diesen gesellschaftlichen Beitrag auch finanziell anzuerkennen.

„Das Equal Pay Day Motto 2016 nimmt berufliche Perspektiven von Frauen ins Visier, die mit finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten Hand in Hand gehen sollten.“

Dies auch, damit künftig mehr Frauen die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung in Geld bemessen und weniger Frauen in die Sackgasse von Minijobs einbiegen oder mit Teilzeitarbeit in Steuerklasse 5 einen schmalen eigenen Verdienst nach Hause tragen.

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