Equal Pay Day 2021 #gamechanger

Game Changer – Mach dich stark für equal pay!

Der Equal Pay Day, der internationale Aktionstag für die Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern wurde 1988 in den USA initiiert und 2008 von den Business and Professional Women Germany in Deutschland etabliert. Er macht auf den bestehenden Gender Pay Gap aufmerksam und wird in zahlreichen Ländern an unterschiedlichen Tagen begangen. Der EPD legt grundlegende Ursachen von Entgeltunterschieden offen.

Anlässlich des Equal Pay Day 2010 initiierte ich als Antwort auf die erhöhte Verunsicherung gegenüber Finanzthemen im Zuge der internationalen Finanzkrise eine Veranstaltungsreihe zu Frauen und Geld. Die langjährige Arbeit mit Frauen in Workshops, Seminaren und Vorträgen bestärkt mich mehr denn je, Mädchen und Frauen für die Wechselwirkungen von Erwerbs- und Finanzbiografien zu sensibilisieren.

© BPW Germany | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Auf Augenhöhe verhandeln – WIR SIND BEREIT!

Equal Pay Day 17.03.2020

Das Equal Pay Day Motto 2020 zeigt Wege aus verkrusteten Strukturen auf. Viele Frauen haben alte Rollenbilder über Bord geworfen und sind längst bereit für ein partnerschaftliches Miteinander und berufliche Führungsaufgaben. Sie mussten lange darauf warten, nicht nur gefördert, sondern auch befördert zu werden, wie die Geschäftsführerin und der Geschäftsführer der AllBright Stiftung, Dr. Wiebke Ankersen und Christian Berg jüngst treffend feststellten. Welch Ironie, den Blogartikel am Vorabend des Equal Pay Day hochzuladen, wenn sich ab morgen auch bei uns Zuhause die Rollen vertauschen: ich darf weiterhin in mein Büro an der Technischen Hochschule, da die Studierenden frühestens im April zurückkommen, während mein Mann nun für unbestimmte Zeit im Homeoffice bleiben wird. Ich bin überzeugt, dass die #Coronakrise ein echtes Umdenken bewirken wird, denn:

"Diese Berufe sind schlecht bezahlt, das ist halt so." Wann, wenn nicht jetzt, ist die Zeit für neue Wege? Und warum fällt es Frauen schwer, ihr Gehalt zu verhandeln? Stop fixing the women, fix the system! Es liegt nicht am fehlenden Mut und mangelnden Selbstvertrauen. Schon gar nicht an der Qualifikation. Nein, Frauen waren viel zu lange in der Defensive und wurden, wenn überhaupt nur aufgrund ihrer beachtlichen Leistungen befördert. Auch heute dürfen sie sich keine Patzer erlauben, wenn es um ihre Karrieren geht. Tatsache ist nämlich: Viele Unternehmen und Organisationen haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Das zeigen die sehr ernüchternden Zahlen des Global Gender Gap Report 2020 des World Economic Forum. Die Rahmenbedingungen für erfolgreiche Karrieren sind zumindest für Frauen mit Erziehungs- und/ oder Pflegeverantwortung noch immer hinderlich: überholte Rollenmuster, konservative Wertvorstellungen, diskriminierende Strukturen. Tolle Infos und viel Material findet ihr wie immer im Equal Pay Day Journal, das zum Download auf der Equal Pay Day Seite bereitsteht:

Foto: Equal Pay Day
Foto: @leawieauchimmer

Sehr innovativ ist auch die Aktion von @leawieauchimmer auf Instagram – sie hat ein Conni Heft zur Lohnlücke gezeichnet! Der vielbeschworene Rolemodel-Effekt sickert bislang zu wenig nach unten durch und bringt die breite Masse kaum voran. Natürlich profitieren ausgewählte Frauen in Vorzeigeunternehmen, Vorzeigeprojekten, Mentoringprogrammen, und es gibt funktionierende Netzwerke. Doch vor allem das Multi-Aufsichtsrat-Phänomen verdeutlicht, dass es insbesondere Frauen mit sozialem, kulturellem und symbolischem Kapital sind, die weitergereicht und befördert werden – der richtige Habitus und die richtigen Beziehungen wiegen mitunter mehr als ein (selbst-)optimierter Lebenslauf. Von echter Diversität in Bezug auf Geschlecht, Alter, Hautfarbe, Behinderung, Herkunft sind wir daher in Deutschland noch sehr weit entfernt. Warum so pessimistisch?


Anschlussfähig bleiben


Seit genau 10 Jahren arbeite ich mit Gleichstellungsbeauftragten, Fachkräften der Sozialen Arbeit und auch direkt mit Wiedereinsteigerinnen zusammen. Viele von ihnen standen und stehen nach der Elternzeit vor ähnlichen Herausforderungen. Nicht wenige Frauen sind verunsichert, wenn der Wiedereinstieg holprig ist und merken nicht, dass es nicht an ihnen selbst liegt, wenn ihr Leben anstrengend ist, ihre Karriere ins Stocken gerät, ihre Beziehungen leiden. Es hat strukturelle Gründe. Mangelnde Flexibiliät in der Arbeitswelt, immer noch ungenügende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, fehlendes Verständnis für die Anliegen berufstätiger Mütter, eine Sozialversicherungsgesetzgebung von anno dazumal. Nicht nur mit dem Arbeitgeber muss verhandelt werden, auch in Familien gibt es Aushandlungsprozesse. Der Partner, die Partnerin, die Kinder, die Eltern, die Schwiegereltern – alle wollen ihren Anteil am Kuchen und scheuen sich nicht, mitzureden, wenn es um die Gestaltung von Familienarrangements geht. Für alle, die sich immer schon gefragt haben, wo die Zeit am Ende des Tages geblieben ist und warum so wenig Zeit für die eigene berufliche Weiterentwicklung bleibt, gibt es jetzt den Mental Load Test zum Download auf der Seite der Equal Care Day Initiative. Wir empfehlen ihn präventiv in jungen Jahren, spätestens aber vor Mutterschaft und Eheschließung. Tragt ihn in die Welt hinaus, sensibilisiert Mädchen und junge Frauen, stärkt Familienfrauen und unterstützt Paare bei ihren Bemühungen um eine faire Arbeitsteilung!

Foto: Equal Care Day
Foto: Equal Care Day

Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Motherhood Penalty, Gender Part-Time Wage-Gap, Gender Lifetime Earnings Gap, Gender Pension Gap – wir können sie im Schlaf aufsagen, sie hängen alle miteinander zusammen. Die beruflichen Wege und das Geld der Frauen sind untrennbar mit der Frage verknüpft, wie wir als Gesellschaft leben wollen. Das bisschen Haushalt macht sich nicht allein und Frauen verbringen doppelt so viel Zeit mit unbezahlter Arbeit als Männer. Bleibt Zeit fürs Ehrenamt? Backen wir einen Kuchen fürs Kindergartenfest? Wie gehen wir mit Kindern um, die nicht mitlaufen? Wohin mit den Eltern, wenn sie gebrechlich werden und auf unsere Hilfe angewiesen sind?

Auch wenn sich viele Probleme ähneln, sind Familiengeschichten doch sehr heterogen und individuell. Als meine Mutter im Jahr 2003 an Demenz erkrankte, gab es diese Krankheit noch nicht als offizielle Kategorie innerhalb der Pflegeversicherung. Betroffene Familien mussten sehen, wie sie klarkommen und die Pflegeverantwortung in ihren Alltag integrieren. Im gleichen Jahr kam meine Tochter zur Welt. Der seit 2009 geltende Rechtsanspruch auf Großelternzeit hätte uns nicht weitergeholfen, er verkehrte sich in sein Gegenteil. Die besondere Lage und Beanspruchung von Sandwich-Familien wurde damals nicht gesehen. Seitdem hat sich sehr viel zum Positiven gewendet: im Bereich der frühkindlichen Kinderbetreuung wurden viele Weichen neu gestellt, pflegende Angehörige wurden auf mehreren Ebenen gestärkt. Das Thema Care-Arbeit dringt mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein, vor allem Dank der großartigen Arbeit der Equal Care Day Bewegung, und die Dienstleistungsberufe wurden aufgewertet. Wir stehen am Beginn eines neuen Jahrzehnts. Wir fordern neue Rollenbilder, gleichberechtigte Partnerschaften, moderne Unternehmen und mutige Führungspersönlichkeiten. Die gute Nachricht ist: Es zeigt sich inzwischen an den Zahlen und Ergebnissen, ob Unternehmen mit der Zeit gehen oder in alten Mustern verhaftet bleiben. In vielen Ländern sind gleichgeschlechtliche, homogene Teams inzwischen ein No-Go. Diverse Führungsteams hingegen erfolgreich und zukunftsfähig. Und auch in den Partnerschaften sind viele Steine ins Rollen gekommen, frau muss es nur zulassen.

Dennoch ist unsere Mission noch nicht beendet. Notwendige Veränderungen, die Einzelne nicht alleine voranbringen können, wie ein modernes Familiensplitting, das Mütter nicht in Abhängigkeiten hält und zur strukturellen Falle mutiert, müssen politisch angegangen werden. Auch die Situation von Ein-Eltern-Familien ist trotz einiger Nachbesserungen nach wie vor fragil. Bleibt zu hoffen, dass die Corona-Krise frischen Wind in die Köpfe bringt und die großen Fragen des guten Lebens wieder neu diskutiert werden. Das hoffte ich zwar schon während der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber inzwischen haben wir eine breite Masse an kritisch Denkenden erreicht. Gleichberechtigte Teilhabe ist weder ein Frauen- noch ein Familienthema. Gerade jetzt, in entschleunigten Zeiten können wir uns noch einmal die Frage stellen, was das gute Leben ausmacht und in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Es ist Zeit für eine gerechte Gesellschaft. Frauen sind längst bereit!

#epd2020 #aufaugenhöhe #wirsindbereit #fairegesellschaft #equalpayday #equalpay #fairpay #equalcare

Women's Finance

Möchtet ihr euch mit Gleichgesinnten austauschen und eure eigenen Anliegen diskutieren?

 

Dann kommt in unsere exklusive Facebook-Gruppe Frauen können Finanzen!

 

Die Geldfrau Dani Parthum und ich kennen die Fallstricke der Erwerbs- und Finanzbiografien von Frauen und laden euch herzlich ein!

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