Bleiben Sie am Ball! EPD 2019: 18.03

© BPW Germany | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Transparenz gewinnt

Equal Pay Day 2018

Das neu in Kraft getretene Entgelttransparenzgesetz ist ein wichtiger Schritt zur geschlechtergerechten Entlohnung.

 

Die stukturellen Hintergründe des Gender Pay Gap und Gender Pension Gap sind jedoch weitaus umfassender und verdienen gleichsam einen aufmerksamen Blick. Dies ist eine gute Tradition innerhalb der Equal Pay Day Bewegung.

Foto: BPW Germany/ Sandra Weller

Mit einer Lohnlücke von 21 Prozent zählt Deutschland seit Jahren zu den traurigen Spitzenreitern der westlichen Welt. Bei den weiblichen Führungskräften ist Deutschland im europäischen Vergleich eines der Schlusslichter (Führungskräfte-Monitor des DIW).

 

Es ist auch der Equal Pay Day Bewegung zu verdanken, dass die strukturellen Gründe dieser Ungleichheit und Unbeweglichkeit mehr und mehr öffentlich debattiert werden. Wie kann Transparenz – das Motto des EPD 2018 – den Frauen dabei helfen, zu mehr Gerechtigkeit und Gleichstellung in Gesellschaft, Familie und Beruf zu gelangen?

 

Um die Lücken des Gender Pay Gaps zu schließen, sollten wir nicht nur offen und transparent über Löhne und Gehälter sprechen, sondern auch darüber, welche vermögensrechtlichen Folgen eine Ehe oder Eingetragene Lebenspartnerschaft für Frauen mit sich bringt. Dies empfiehlt auch die Sachverständigenkommission im Gutachten zum Zweiten Gleichstellungsbericht.

 

Ist es jungen Frauen heute bewusst, dass allein die Eheschließung in eine strukturelle Sackgasse münden kann? Die unschönen Tickets heißen Ehegattensplitting und beitragsfreie Familienversicherung. Die Entscheidung für ein Kind stellt dem achten Familienbericht der Bundesregierung zufolge gar ein »biografisches Risiko« für Frauen dar (BMFSFJ 2012:22).

Wo bleiben hier Empörung und Wut?

Die Lebenswirklichkeiten und Finanzen der Frauen in den Blick zu nehmen, sollte ein eminent politisches Anliegen sein. Frauen sind überdurchschnittlich oft Teilzeit beschäftigt. Ein Drittel der erwerbstätigen Frauen kann aus ihrem eigenen Einkommen nicht einmal ihren unmittelbaren Bedarf decken. Alleinerziehenden droht der gesellschaftliche Abstieg. Gender Pay Gap und Gender Pension Gap gehen Hand in Hand.

 

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung zieht im WSI-Report Wer leistet unbezahlte Arbeit den richtigen Schluss: »Die Sphären Arbeitsmarkt und Haushalt müssen zusammengedacht und bezahlte und unbezahlte Arbeit im Zusammenhang thematisiert werden (WSI Nr. 35/2017:26). Nach Schätzungen der WELT ist die unbezahlte Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit in Deutschland rund eine Billion Euro wert.

 

All diese Zusammenhänge werden von drei exemplarisch ausgewählten Projekten bzw. Kampagnen angesprochen, die es wert sind, sie näher zu betrachten. Ich möchte Ihnen zunächst Valentina vorstellen.

Diese sympathische junge Frau macht sich ihre Gedanken:

 

  • Rechtzeitig
  • Ehrlich
  • Mutig
  • Weitsichtig

 

Die innovative Valentina Kampagne wurde vom bayerischen Landesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes initiiert und wird vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration unterstützt.

 

Valentina spricht junge Frauen an und lässt dabei kaum ein Thema aus: Angefangen von Ehevertrag, eingetragenen Lebenspartnerschaften, Steuerklassenmodellen, finanziellen Auswirkungen unterbrochener Erwerbsbiografien, über Scheidungen, zweite Eheschließungen und finanzielle Ausgleiche für Kindererziehung finden sich auf dem Informationsportal der Kampagne umfangreiche Informationen. Die Begleitbroschüre des bayerischen Zukunftsministeriums Ehe und Partnerschaft rechtlich begleiten gibt einen Überblick über die finanziellen und rechtlichen Folgen der Eheschließung. Der Frauenbund sollte die Flyer der Valentina-Kampagne als Aufklärungsmaterial in allen Standesämtern auslegen.

 

Ebenfalls richtungsweisend ist das Projekt Was verdient die Frau? des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Fotos: DGB Was verdient die Frau?

Das Projekt nahm seine Arbeit im Herbst 2014 auf und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Es stellt die Stärkung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Frauen in den Mittelpunkt und informiert über die Rahmenbedingungen weiblicher Lebens- und Erwerbsbiografien.

 

Insbesondere werden Entscheidungen an Lebensschwellen – wie der Einstieg in den Beruf nach der Ausbildungszeit und die Zeiten rund um die Familienphase thematisiert, um Übergänge nachhaltig zu gestalten. Das Projekt bietet Frauen ein sehr umfangreiches Informationsportal sowie die Plattform Dein Sprungbrett – Webinare und Beratung für junge Frauen. Dort finden Frauen etwa Input zur fairen Arbeitsteilung oder zur Gehaltsverhandlung und weiteren Karrierethemen. Außerdem unterstützt das Onlinequiz Die Generalprobe junge Frauen bei der Rollenfindung und zeigt finanzielle Fallstricke bestimmter Lebensentscheidungen auf. Das DGB Projekt Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit! ist in den sozialen Medien auf Facebook und auf Twitter vertreten und plant eine Präsenz auf Instagram und Youtube.
 

Auch das vom Frauenreferat der Stadt Frankfurt entwickelte Armut verhindern Spiel pointiert die Wechselwirkungen zwischen Beruf, Karriere und Familie und dem Geld der Frauen.

Foto: Frauenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Das Spiel nimmt strukturelle wie soziokulturelle Bedingungen ins Visier. Es wurde anlässlich der Jahres-Kampagne Armut ist eine Frau zur Sensibilisierung gegenüber strukturell bedingter Frauenarmut entwickelt. Das Frauenreferat sieht seine Aufgaben unter anderem darin, Mädchen und Frauen bei weichenstellenden Entscheidungen und der Bewältigung schwieriger Lebenssituationen zu unterstützen und zu bestärken. Das Spiel steht als Download zur Verfügung und sollte Einzug in die politische Bildung der Schulen halten. Ein kurzes Video zum Spiel, das ich mit der Künstlerin Anna Poetter auf ihrer Pilgerreise des Geldes gespielt habe, finden Sie hier.

Um über unsere Gesellschaft, Rollenerwartungen, gesetzliche Rahmenbedingungen und Unternehmenskulturen zu sprechen, engagieren sich Frauen alljährlich zum Equal Pay Day als Botschafterinnen und Impulsgeberinnen.

Damit die tatsächlichen Lebenswirklichkeiten der Frauen mit ihren Potenzialen und persönlichen Wünschen Schritt halten. Dafür ist es überaus hilfreich, sich in gemeinsamen Netzwerken zusammenzuschließen. Nicht allein, um sich gegenseitig zu unterstützen und voranzubringen, sondern auch, um gemeinsam die politische Bedeutung des Privaten nach Außen zu tragen.

 

Liebe Frauen, mischt Euch ein!

Foto: BPW Germany Ansgar Bolle

Endlich partnerschaftlich durchstarten

Equal Pay Day 2017

10 Jahre Equal Pay Day in Deutschland! Ein Anlass zum Feiern?

 

Auch wenn sich die Lohnlücke in der Bundesrepublik nicht wesentlich geschlossen hat, kann die Equal Pay Day Bewegung, die von den Business and Professional Women Germany ins Leben gerufen wurde, eine positive Bilanz ihrer Arbeit ziehen.

So sind die komplex verwobenen strukturellen Ursachen des ungleichen Verdienstes zwischen Frauen und Männern längst in der politischen Tagesordnung angekommen und wurden – auch von der Equal Pay Day Bewegung – ins öffentliche Bewusstsein gehoben.

 

Der soeben veröffentlichte zweite Gleichstellungsbericht der Bundesregierung (BMFSFJ 2017) zielt darauf ab, die Barrieren und Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die Frauen und Männer an der Verwirklichung ihrer Lebensziele, ihrer Wünsche und ihrer Lebensentwürfe hindern.

 

10 Jahre Equal Pay Day zeigen, dass es nach wie vor die Frauen sind, die zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Abstriche in ihren Karrieren hinnehmen müssen, die trotz Beruf mehr Zeit im Haushalt verbringen, an denen die Hauptlast für Erziehung und Pflege hängt und die dann hinterher schauen müssen, dass der Gender Pension Gap sie nicht gnadenlos in die Altersarmut führt. Im zweiten Gleichstellungsbericht wird daher Erwerbs- und Sorgearbeit konsequent zusammen gedacht.

 

»Frauen und Männer benötigen Verwirklichungschancen dafür, ihren Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit zu verdienen, sich um Kinder, Pflegebedürftige, Nachbarschaft und Ehrenamt zu kümmern, Karriere in einem Unternehmen zu machen, sich selbstständig zu machen, sich gesellschaftlich zu engagieren und im Alter eigenständig finanziell abgesichert zu sein.« (BMFSFJ 2017: 18)

Finden Sie es unromantisch, über Geld zu sprechen?

Das diesjährige Motto des Equal Pay Day geht in die gleiche Richtung damit es nicht allein bei guten Absichten bleibt, wenn sich Nachwuchs ankündigt, sondern um eine gerechte Rollenverteilung gemeinsam in die Tat umzusetzen.

 

Manchen fällt es leichter, manchen schwerer, mit dem Partner, der Partnerin über Geld zu sprechen.

Nicht nur bei Gehaltsverhandlungen ist eine positive Einstellung zu Geld eine wichtige Voraussetzung für gute Abschlüsse!

Auch innerhalb der eigenen vier Wände ist Geld ein sehr wichtiges Thema, das frühzeitig angegangen werden sollte.

 

Um die "sorgebedingten" Auszeiten von Frauen so gut es geht zu kompensieren, kommt jede einzelne nicht darum herum, auch die finanzielle Lebensplanung innerhalb der Partnerschaft zu thematisieren.

 

Und gegebenfalls auch einen monetären Ausgleich für Care-Zeiten zu vereinbaren.

 

Am besten mit einem Ehevertrag, zumindest aber mit Blick auf die strukturellen Fallen, die sich in Deutschland immer noch auftun, wenn Frauen Kinder bekommen oder Verantwortung für Ältere übernehmen. Vor allem in ländlichen Regionen und strukturschwachen Gebieten.

Was ist meine Arbeit wert?

Equal Pay Day 2016

Die Kaskade der strukturellen Benachteiligung von Frauen erschöpft sich nicht im monatlichen Rentenanspruch für Mütter von derzeit rund 91 Euro je Kind.

 

Auch bremsen nicht allein Klischees und Mythen Frauen auf ihren beruflichen Wegen aus.

© BPW Germany | Foto: Businessfotografie Inga Haar

Vielmehr werden weitere Anstrengungen und Initiativen von Unternehmens- und Arbeitgeberseite vermisst, um zu einem echten Kulturwandel hin zu flexiblen Strukturen am Arbeitsmarkt zu gelangen. Dieser muss berufliche Auszeiten und Umwege zulassen, Diversität als Asset anerkennen und auch Vätern und Männern echte familienfreundliche Arbeitszeitarrangements ermögliche. Die skandinavischen Länder machen es vor.

 

Denn aller Rhetorik und Hochglanzbroschüren zum Trotz sind berufliche Karrieren in Deutschland noch immer an der Kontinuität des männlichen Standardlebenslaufs ausgerichtet.

 

Die Ungleichbehandlung von Frauen ist kein Problem, das jede Einzelne selbst in der Gesellschaft zu lösen hat, geschweige denn in den "eigenen vier Wänden" lösen könnte, sondern es geht dabei um grundsätzliche Fragen des guten Lebens, vor allem im Zusammenhang mit dem Thema Care, d.h. dem Bereich des Sorgens und Sichkümmerns.

 

Und damit um die Frage: In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

 

Während der Ausbau der Kinderbetreuung in den letzten Jahren stetig vorangetrieben und verbessert wurde, sind die Entlastungsangebote für pflegende Angehörige mehr als ausbaufähig, um zukunftsorientierte Karriereplanungen zu gewährleisten.

Berufliche Perspektiven im Blick behalten

Wer sich einmal an einem Werktag am Vormittag gegen 9 Uhr in einem medizinischen Versorgungszentrum umsieht, wird vor allem auf Frauen treffen, die als Töchter, Schwiegertöchter, Enkel- und Patenkinder oder Nichten pflegebedürftige Ältere zu ihren Arztterminen begleiten.

 

So ist es richtig und wichtig, dass in der Reform des Pflegegesetzes auch die Position der Pflegenden verbessert werden wird. Pflegende Angehörige haben oft eine Dreifachbelastung zu schultern und belasten ihre eigenen gesundheitlichen Ressourcen, um die Pflegesituation zu meistern. Es ist mehr als angemessen, diesen gesellschaftlichen Beitrag auch finanziell anzuerkennen.

Das Equal Pay Day Motto 2016 nimmt berufliche Perspektiven von Frauen ins Visier, die mit finanziellen Entwicklungsmöglichkeiten Hand in Hand gehen sollten.

Dies auch, damit künftig mehr Frauen die ihnen entgegengebrachte Wertschätzung in Geld bemessen und weniger Frauen in die Sackgasse von Minijobs einbiegen oder mit Teilzeitarbeit in Steuerklasse 5 einen schmalen eigenen Verdienst nach Hause tragen.

Women's Finance

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